Die Entwicklung von Fahrzeugsoftware ist ein komplexer Prozess, der drei bis vier Jahre dauern kann. Von der Konzeption bis hin zur Serienreife werden viele Entwicklungsstufen durchlaufen. Allein 35% der gesamten Entwicklung besteht aus Tests der neu entwickelten Softwarekomponenten. Dabei finden viele Tests im Labor oder an Motor- und Rollenprüfständen statt. Besonders komplexe oder schwierige Tests werden jedoch nach wie vor im regulären Straßenverkehr durchgeführt. 
Während des Tests wird der Laptop des Testfahrers an die Messtechnik im Prototypen angeschlossen und auf dem Beifahrersitz abgelegt. So können die Messdaten in Echtzeit eingesehen, überwacht und Parameter verändert werden. Die Fahrer der Tests geben sich größte Mühe, ihre Arbeit sicher durchzuführen und dabei niemanden zu gefährden. Dennoch kommt es durch die kleinteilige Bedienung der Laptoptastatur oder die Abwendung des Blickes auf den Laptopbildschirm, während der Fahrt zu einem enormen Sicherheitsrisiko.
Aus dieser Situation ergibt sich die Frage: "Wie können wir die Einsicht von, und die Interaktion mit Messdaten der Fahrzeugsoftware, während Testfahrten, für Testfahrer, sicherer und effizienter gestalten?" 
Da das Thema unglaublich technisch und sehr komplex ist, bedarf es einer sehr ausgiebigen Nutzerrecherche. Dazu wurden Nutzerinterviews und Contextual Inquiries durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einer Customer Journey vereint um zu ermitteln, an welcher Stelle des Testablaufes das größte Potenzial besteht um als Gestalter einen Mehrwert zu bieten.​​​​​​​
Die Customer Journey zeigt, dass die größten Pains während der Testdurchführung liegen. Hier wurde noch ein weiteres Interaction Mapping erstellt, das die Probleme genau aufzeigt.
Die daraus resultierenden vier Topfindings bieten die Opportunity Areas
1. Die Kontrolle der Messgrößen während der Fahrt so zu gestalten, dass die Ablenkung des Fahrers so gering wird, dass er das Fahrzeug weiterhin sicher führen kann.
2. Die Interaktion mit den Messgrößen so zu konzipieren, dass sie intuitiv durchgeführt werden können und auch hier die Ablenkung des Fahrers ähnlich null wird. 
3. Dafür zu sorgen, dass andere Verkehrsteilnehmer oder Hindernisse jederzeit während eines Tests rechtzeitig wahrgenommen werden.
4. Die Möglichkeit bieten, während des Tests Auffälligkeiten zu vermerken.

Mit diesen vier Ansatzpunkten und How Might We...? Fragen wurde dann ein digitaler Ideation Workshop mit fünf potenziellen Nutzern durchgeführt. Im Workshop wurden mit Hilfe der 6-3-5 Methode und Analogy Thinking wurden Möglichkeiten herausgearbeitet, wie die Probleme angegangen werden können. 

Hier zeigte sich schon, dass eine Kombination aus einer visuellen Darstellung der Größen, sowie haptisches oder akustisches Feedback nötig sind um den Anforderungen der Zielgruppe nachzukommen. 
Um die Zielgruppe möglichst genau zu definieren, wurde eine Persona erstellt, die dabei hilft, den Nutzer zu verstehen und die Bedürfnisse zu definieren. 
Der Applikationsingenieur ist deshalb die Zielgruppe, weil er die kompliziertesten und gefährlichsten Tests durchführen muss. Seine Aufgaben sind sehr individuell und flexibel, weshalb er ein modulares System benötigt um wirklich Abhilfe zu bekommen. 
Da das System Interaktionen während Testfahrten ermöglichen soll, ist natürlich die Sicherheit hier der wichtigste Faktor. Die Ablenkung durch die Kontrolle von Messgrößen soll gleich Null sein und es soll möglich sein, Messgrößen während der Fahrt zu manipulieren und zu verändern. Die Kombination dieser zwei Anforderungen ist ausschlaggebend für den Erfolg des Systems. Die Kontrolle der Messgrößen erfolgt durch ein Touchdisplay, welches im Sichtbereich des Fahrers angebracht wird. Während der Fahrt ist allerdings keine Interaktion über Touch möglich. Diese erfolgt durch zwei Bedienelemente, welche am Lenkrad angebracht werden können und über frei belegbare Tasten verfügen. So kann während der Fahrt mit dem Größen interagiert werden ohne, dass der Blick von der Straße abgewendet werden muss und ohne, dass die Hände vom Lenkrad genommen werden müssen. Der Fahrer behält also zu jeder Zeit die volle Kontrolle über das Fahrzeug und den Überblick über den Verkehr. 
Für die Konzeption werden verschiedene Methoden genutzt. Ein Use Case Diagram ermöglicht es, besonders bei komplexen Problemstellungen alle Nutzungsschritte zu bedenken und mit einzubeziehen. So lässt sich ein durchdachtes Konzept erstellen ohne jede Idee testen zu müssen. Nutzertests sind dennoch unerlässlich und auch wichtiger Teil der Arbeit. Besonders für das Bedienelement wurden sehr früh erste Prototypen angefertigt um die Usability im Fahrzeug zu testen. Auch die Modularität, also, dass die Bedienelemente an verschiedenen Lenkrädern einfach angebracht werden können, wurde erfolgreich getestet. 
Erster Prototyp des Bedienelementes an verschiedenen Lenkrädern getestet: 
Hier ist der aktuelle Stand des Projektes dargestellt. Die Recherche-, Analysephase und Ideation sind abgeschlossen und aktuell befindet sich die Arbeit in der Konzeption. Parallel werden auch schon Nutzertests durchgeführt um möglichst schnell potenzielle Probleme ausräumen zu können. 

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